Am 7.Oktober wählen die Einwohner der Gemeinde Am Mellensee einen neuen hauptamtlichen Bürgermeister. Die MAZ stellt alle sieben Kandidaten in loser Reihenfolge vor. Mit Erhard Bischert (Unabhängige Wählergemeinschaft) sprach Redakteurin Gudrun Schneck.
Sie sind vor vier Jahren als Mitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft mit dem Ziel im Gemeinderat angetreten, parteiunabhängige Politik zu machen. Ist das gelungen?
Bischert: Ja, die damalige Entscheidung war auch aus heutiger Sicht richtig. Ich erinnere an die Diskussion zur Zukunft des Schulstandortes Mellensee. Das Thema beschäftigte Eltern, Lehrer, Bürger und Gemeindevertreter monatelang, ohne dass eine Entscheidung fiel. Die etablierten Parteien standen zunächst auf Seiten der Kommunalaufsicht und des Bürgermeisters, welche die Schule einsparen wollten. Viele Bürger, nicht nur Mellenseer, sprachen mich an. Ich stellte den Antrag, auf der nächsten Gemeindevertretersitzung abzustimmen. Der Erhalt der Grundschule sichert ein Stück Lebensqualität für die Gemeinde. Davon konnte ich auch andere Gemeindevertreter überzeugen. Dass der Beschluss dann einstimmig fiel, freut mich natürlich.
Die Gemeinde braucht manchmal Jahre, um eine Entscheidung zu treffen...
Bischert: Dieser Zustand kostet uns richtig Geld. Die Rekonstruktion der Wassermühle Mellensee könnte längst durch sein, wenn die Verwaltung vor Jahren schneller reagiert hätte. Die ewige Diskussion um den Verwaltungssitz der Gemeinde ist ebenfalls kontraproduktiv. Da ist Zeit Geld. Ein Bürgermeister muss - wenn alle wichtigen Fakten auf dem Tisch liegen - Mehrheiten organisieren und den Beschluss herbeiführen.
Sind Sie denn entscheidungsfreudig? Sie haben sich einmal selbst als eher skeptischen Menschen bezeichnet...
Bischert: Ich bin Zweckpessimist. Ich frage, womit im schlimmsten Fall zu rechnen ist. Das heißt nicht, dass ich zögerlich bin. Aber ich will das Risiko realistisch abschätzen. Mir dauert der Entscheidungsprozess in der Gemeindevertretung oft zu lange. Deshalb habe ich jetzt zum Beispiel vorgeschlagen, allen Vereinen und Feuerwehren die Möglichkeit zu geben, einen Zuschuss zu beantragen.
Obwohl Am Mellensee klamm ist?
Bischert: Mit diesem Argument könnte man jede Idee totschlagen. Dagegen wehre ich mich. Eine Anerkennung, ein Dankeschön für die Vereine muss sein - nicht nur mit Worten. Wir haben so viele engagierte Bürger. Diese freiwillige Uneigennützigkeit ist ein großes Potenzial und ein wichtiger Entwicklungsfaktor für unsere Gemeinde. Von der Verwaltung will ich nicht wissen, was nicht geht, sondern wie es geht. Dass es Schlupflöcher zwischen den Verordnungen gibt und das "Kind" manchmal nur einen anderen Namen braucht, macht uns der Landkreis vor.
Sie hatten es abgelehnt, ordentliches Mitglied in der Verbandsversammlung des KMS zu werden. Inzwischen haben Sie doch zugestimmt, warum?
Bischert: Ich stehe der Bürgerinitiative näher als dem KMS. Für mich war klar, dass ich nur dann im KMS mitarbeiten kann, wenn die gesamte Gemeindevertretung hinter mir und meinem Standpunkt zum KMS steht. Das tut sie jetzt.
Und wie sieht Ihr Standpunkt zum KMS aus?
Bischert: Die Stimmenverteilung in der Verbandsversammlung ist ungerecht. Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hat zum Beispiel das gleiche Stimmgewicht wie die Stadt Zossen, obwohl Zossen mehr als 17000 Einwohner vertritt, Blankenfelde-Mahlow aber nur 2000, weil nur der Ortsteil Dahlewitz im Verbandsgebiet liegt. Eine andere Ungerechtigkeit ist die Berechnung der Verbandsumlage. Der KMS hat sich laut Satzung zur Erschließung aller Orte verpflichtet. Nach deren Einwohnerzahl wurde auch die Umlage berechnet. Jetzt sollen aber Gemeindegebiete mit weniger als 2000 Einwohnern abwasserseitig nicht mehr angeschlossen werden, so Fernneuendorf oder Kummersdorf-Gut. Uns wurde also zu viel Umlage berechnet. Solche Dinge will ich nicht hinnehmen. Das durchzusetzen, wird allerdings schwierig. Wir haben nur eine von sechs Stimmen in der Verbandsversammlung. Für eine Änderungssatzung braucht man eine Zweidrittelmehrheit. Und wenn es ums Geld geht, hört die Solidarität der anderen Mitgliedsgemeinden auf. Dann heißt es: Bezahlt erst mal eure Umlageschulden. Mein Ziel ist es nicht, den KMS aufzulösen, sondern sozial verträgliche Beiträge und Gebühren für die Bürger und gerechtere Umlagen für die Gemeinde zu erreichen.
In der Podiumsdiskussion am 17.September haben Sie von der Wahrung der Eigenständigkeit der Ortsteile gesprochen. Ist nicht gerade deren Zusammenwachsen nötig?
Bischert: Jeder Ortsteil hat seine Eigenheiten, und die soll er ruhig pflegen, denn daraus entspringt auch die Bereitschaft, etwas für seinen Ort zu tun. Ortsegoismus ist damit aber nicht gemeint. Ich war kein Freund der Fusion. Doch mir war klar, dass die Gebietsreform vom Land durchgedrückt werden würde. Hätten wir uns quer gestellt, hätte man vielleicht sogar einige Orte der Stadt Zossen zugeschlagen und andere der Stadt Baruth. Wir brauchen beides: ortsübergreifendes Gemeinschaftsgefühl in der Gemeinde Am Mellensee und Achtung der Identität jedes Ortsteils.
Sie sind verwurzelt hier?
Bischert: Ich bin in Mellensee aufgewachsen und von Jugend an Mitglied im SV Grün-Weiß. Dort bin ich aktiver Kegler. Da erlebe ich übrigens auch ein generationenübergreifendes Gemeinschaftsgefühl, das ich für sehr wichtig halte - über den Sport hinaus.
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