| Die Berliner Zeitung schrieb am 23. Juli 2007 | |
Der See der FischerAuf den ersten Blick gibt es wenig Gemeinsamkeiten:der Wilde Westen, Holland und der Mellensee. Was ihre Besucher jedoch eint, ist eine gewisse Liebe zu ungewöhnlichen Fortbewegungsmitteln. Bei der Anreise an den kleinen See südlich Berlins zum Beispiel kann sich die ganze Familie auf eine Draisine schwingen und sich in einen Cowboy-Film versetzt fühlen. Wilde Verfolgungsjagden muss allerdings niemand auf dem urigen Schienengefährt vollführen. Gemächlich zuckelt man auf Deutschlands längster Draisinenstrecke auf den Mellensee zu. Die Strecke verläuft parallel zum Nottekanal auf den Gleisen der ehemals "Königlich-Preußischen Militäreisenbahn". Am Zossener Bahnhof starten verschiedene Touren, darunter die "Drei-Muskel-Tour", bei der die Ausflügler nach der Ankunft am Bahnhof Mellensee aufs Konferenzrad umsteigen, einem Fahrrad für sechs Personen. Damit fährt es sich gesellig zum Seeufer, wo auf ein weiteres ungewöhnliches Gefährt umgestiegen werden kann: Mit Hydrobikes geht es über See und Kanal zurück. Nach der Ankunft am Mellensee sollten besonders Fischliebhaber die Gelegenheit zu einem Imbiss nutzen. Der Fischfang hat in dieser Gegend eine lange Tradition, schon in der Steinzeit sollen die Menschen deswegen hier gesiedelt haben. Heute nennt sich Mellensee deshalb stolz das "Dorf der Fischer". Wie in jedem Jahr feiern die Anwohner mit qualmenden Räucheröfen und dampfenden Kesseln am kommenden Wochenende das Fischerfest. Im Rest des Jahres bieten gleich drei Fischer entlang des Ufers ihre fangfrischen Spezialitäten an. Sie verkaufen auch Angelkarten an Hobbyfischer. Auf dem Weg zu einer der idyllischen Badestellen kommt man auf jeden Fall an einem der Fischstände am Nordufer vorbei. Viel lernen kann man bei Fischer Jochen Gebauer. Besucher führt er durch seine Anlagen, erklärt, was die Forelle liebt und was den Aal so besonders macht. Auf der großen und sonnigen Seeterrasse von Ralf Dowhaluk schmeckt der Fisch besonders gut. Der Fischer schippert Besucher auch gerne anderthalb Stunden lang übers Wasser. Wer sich dabei nach Amsterdam versetzt fühlt, liegt richtig: Das gemütliche Schiff ist ein original holländisches Grachtenboot. An solchen Ideen bemerken Besucher das Engagement der Einheimischen für ihren See. Um-weltschonender Tourismus ist ein großes Thema, für das sie eigens den Verein "pro Mellensee" gegründet haben. Wer seit Jahrhunderten von der Fischerei lebt, weiß, wie wichtig klares Wasser ist. Zehn gut ausgeschilderte Wanderwege sind ein weiteres Beispiel für die Arbeit des Vereins. Sie führen zum Teil bis zum benachbarten Großen Wünsdorfer See. Dort ist Deutschlands erste "Bücherstadt", mit zahlreichen Antiquariaten und einem großen "Bücherstall". Lange Zeit war das Dorf Militärstützpunkt, zuletzt diente es der Sowjetarmee als deutsches Hauptquartier. Spuren wie Bunker und Offizierssauna können bei Führungen erkundet werden. Ebenfalls in die Vergangenheit führt der "Saalower Mühlenweg". Der Wind, der heutzutage die Surfer und Segler übers Wasser schiebt, trieb früher nämlich eine Mühle oder "Melle" an, von der der Mellensee seinen Namen hat. Diese Tradition wird heute im Mühlendorf Saalow gepflegt. Der markierte, rund acht Kilometer lange Weg führt zu einer so genannten Paltrockmühle und zur Scheunenwindmühle. Deren Technik gilt als einzigartig in ganz Europa: Sie funktioniert mit Durchzug. Beide Scheunentore mussten weit geöffnet werden, damit sich der Mahlstein drehte. Ein Bauer aus der Nähe von Dresden hatte sich 1864 das Prinzip selbst ausgedacht. Bis 1956 war die Mühle in Betrieb, dann verfiel sie zusehends. Nach der Wende wurde die von Fachleuten bestaunte Kuriosität in Saalow wieder aufgebaut. Das Mühlendorf lohnt sich aber auch wegen seiner schönen Dorfaue mit den alten Bäumen und Gehöften als Wanderziel. Trotz der interessanten Umgebung ist es aber auch keine Schande, den Tag einfach faul am Mellensee zu bleiben. Einige schöne Badestellen locken zum Sprung ins Wasser. Das Strandbad Mellensee am Ostufer mit Sandstrand, Spielplatz und weiter Wiese bietet sowohl Familien mit kleinen Kindern als auch Ruhesuchenden Erholung. Die Gaststätte "Melle am See" nebenan hält Fisch- und Wildspezialitäten bereit. Ein besonderes Angebot gibt es für Grillfreunde. Nach Absprache stellt das Lokal verschiedene Fleisch- oder Fischplatten zusammen, die Familien und Gruppen selbst grillen können. Wer mag, leiht sich an der Seehütte anschließend ein Ruderboot und fährt ein Stückchen über den See. Etwas mehr Trubel als in Mellensee herrscht meist am Westufer. Im großen Freibad in Klausdorf zieht die 63 Meter lange Wasserrutsche besonders Jugendliche an. An Wochenenden wird der Strand von der DLRG überwacht, aber für kleine Kinder wird der See an dieser Stelle sehr rasch tief. Inhaber Karsten "Paul" Horn betreibt neben einem Imbissstand auch einen Bootsverleih. Surfer finden ein Stück südlich des Strandbads gute Bedingungen und einen wassernahen Parkplatz. Gemütlich zusehen kann man dem Treiben auf dem Wasser vom Restaurant "Mellenseeterrassen" aus. Erwachsene freuen sich über die schöne Seeterrasse, auf der selbstgebackener Kuchen oder fangfrische Forelle serviert wird. Kinder lieben die acht Zicklein, die im neu angelegten Streichelzoo herumhüpfen. Da sind dann sogar "Heidi und die Berge" am Mellensee nicht ganz fremd. |
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