18.12.2006 Das Land um den Mellensee ist seit jahrhunderten bekannt
für
höchst ungewöhnliche Geschichten und Begebenheiten, viele historische
Überlieferungen und Reste höchst gefährlicher Vergangenheit
zeugen davon. Wer aber glaubt, die Zeiten hätten sich nun grundlegend
geändert und man müsse heut zu Tage vor Langerweile eingehen,
hat sich gewaltig geirrt und kennt sich noch lange nicht aus, in dem nun
militärfreien Gebiet am Seeufer.
Als in den Jahren 1993/94 die Russen abzogen und damit das zauberhafte
Land, das über Jahrzehnte nur noch militärischen Zwecken unterlegen
war, endlich wieder frei gaben, ließen sie notgedrungen ihre Haustiere
zurück. Die negative Folge der Entwicklung war, dass sich Unmengen
von Katzen und Hunde in Wünsdorf und am Seeufer herum trieben. Auch
in der Hinsicht hatte das Militär ein regelrechtes Chaos hinterlassen.
Oft sind es total unbeteiligte und unschuldige Menschen, die sich den
gedankenlosen Verhalten der Verantwortlichen annehmen; und so war es
dann auch in diesem Fall. Ehrenamtliche Tierfreunde sammelten all die
heimat- und herrenlos gewordenen Haustiere ein und brachten sie in einem
leer stehenden Gebäude
der ehemaligen Kaserne unter. Sie pflegten die armseligen und verlassenen
Kreaturen und brachten es sogar fertig, für viele dieser Tiere neue
Familien zu finden. Dennoch blieben rund 70 Katzen übrig, als das Tierhilfswerk
"Schützende Hand" 1999 das Gelände von ca. 18 000 qm
Grundstück und einigen Liegenschaften für billiges Geld kaufte
und hier das heutige Zossener Tierheim, das sich auch für die Großgemeinde
Am Mellensee und weitere umliegende Gemeinden, bis hinauf nach Rangsdorf
zuständig zeichnet, gründete.
Genau hier befindet sich das Reich von Rudi Rüssel, einem Hängebauchschwein,
dass den rückwärtigen Teil des Hofes sein eigen nennt. Rudi Rüssel
ist handzahm und besser als mancher Hofhund zur Bewachung von Haus und Hof
geeignet. Netten Menschen und deren Besuchern gegenüber ist er wohl
gesonnen, kann aber mit seinen gewaltigen Hauern so manch ungebetenen Gast
das Fürchten lehren.
Leider lebt Rudi, aus persönlichen Gründen, seit einiger Zeit
im Heim und sucht, wie ebenfalls ca. 150 Katzen der verschiedensten Charaktere,
einige prächtige Kaninchen, Ziegen und drei Hunden ein festes Zuhause
mit Familienanschluss. Rudi Rüssel ist der richtige Partner für
eine Familie mit einem passenden Grundstück, denn er ist für den
heimischen Rasen eine ungewöhnliche Zierde. Denn wer hat schon ein
handzahmes Hängebauchschwein?
Der Tierschutzverein "Schützende Hand" hat etwas über
40 Mitglieder und ist in der Hinsicht offen für weitere Unterstützung.
Hilfe kann diese gemeinnützige Einrichtung nicht genug bekommen, denn
rund 200 hungrige Mäuler müssen täglich gestopft werden.
Hinzu kommt der Kauf von Katzenstreu, die Tierarztkosten, Strom- und
Wassergeld und allerlei Kleinkram mehr.
Die gute Seele des Tierheims, gelegen gleich hinter "Aldi", in
der Strasse der Jugend, ist Claudia Böhme, die ihre gesamte Zeit im
Tierheim verbringt und das keinesfalls als ihren Beruf ansieht. Ihr Einsatz
für die Tiere ist ihre Lebensaufgabe. Sie klagt über das kaputte
Dach und die immensen Kosten für die Gebäudeinstandhaltung, die
von den geringen Mitgliederbeiträgen, einigen Spenden und einem kleinen
Zuschuss des europaweit tätigen Tierhilfewerks gedeckt werden. Sie
muss täglich verdammt improvisieren, um den "Betrieb" über
Wasser halten zu können.
Also Tierfreunde, nichts ist einfacher als das, denn wenn jeder ein kleines
bisschen tut, kommt am Ende viel heraus. Schaut mal rein, ins Tierheim,
vielleicht haben Sie etwas übrig, was dort gebraucht wird? Oder wollten
Sie sich schon seit Längerem eine Katze anschaffen? Hier können
Sie einen gesunden und liebevollen Stubentiger finden und tun gleichzeitig
ein gutes Werk, wenn Sie ihm ein neues Zuhause geben. Für 45,- Euro
im Jahr kann man Mitglied werden und auch als passives Mitglied für
die Tiere da sein. Denn:
"Die Größe eines Menschen erkennt man an seinem Umgang mit
den Tieren".
Maren Ohlsen